Homopathie Zrni

Adolf Voegeli (1898–1993)

Der folgende Text stammt aus: Adolf Voegeli (2009). Homöopathische Therapie der Kinderkrankheiten. Haug-Verlag.

Adolf Voegeli wurde am 3. Oktober 1898 in Bülach bei Zürich geboren. Er studierte Medizin an der Universität Zürich, wo er 1925 sein Staatsexamen bestand. Nach Weiterbildung und Auslandsaufenthalten in Rom und Berlin wurde er Facharzt für Innere Medizin und Radiologie. Seinen Beruf übte er zunächst als Allgemeinpraktiker in einem Bergdorf im Kanton Graubünden aus. Einige Jahre später etablierte er sich dann aber als Facharzt für Radiologie in Zürich, wo er seine Praxis bis 1938 führte. Kurz vor dem Zweiten Weltkrieg zog er nach Lausanne um, wo er sich, von der Hochschulmedizin unbefriedigt, nach einigen Jahren des Suchens immer mehr der Homöopathie zuwandte. Nach intensiver Beschäftigung mit der homöopathischen Literatur und zahlreichen Kursen in Frankreich, England und Deutschland vertiefte er sich in der Nachkriegszeit in sein neues Gebiet. Seine Praxis wurde zunehmend homöopathisch geführt, die Homöopathie als zweitrangiges Hilfsmittel der Hochschulmedizin lehnte er ganz entschieden ab. Seiner Ansicht nach mussten die Einstellung und der Zugang zur Medizin entweder „allopathisch“ oder homöopathisch sein, aber keinesfalls beides gleichzeitig. Voegeli wurde mit der Zeit ein kompetenter und angesehener Vertreter der klassischen Homöopathie und über die Schweizer Grenzen hinaus bekannt. Vor allem in Deutschland hielt er zahlreiche Kurse und Seminare ab. Daneben wurde er durch seine vielen Veröffentlichungen bekannt, darunter – neben dem vorliegenden Werk – „Heilkunst in neuer Sicht“ (1955), „Das ABC der Gesundheit“ (1957), „Die korrekte homöopathische Behandlung in der täglichen Praxis“ (1958), „Die rheumatischen Erkrankungen“ (1961), „Magen-, Leber- und Galle-Erkrankungen“ (1963), „Das Asthma und seine Behandlung“ (1964), „Die Kreislauferkrankungen“ (1970), „Medizin auf Wegen und Irrwegen“ (1973) und „Leit- und wahlanzeigende Symptome der Homöopathie“ (1984). Weniger bekannt geworden sind Voegelis nicht medizinische Bücher, die der Vollständigkeit halber erwähnt sein sollen: Nach einer mehrmonatigen Russlandreise erschienen „Soviet- Russland. Reisebuch eines Unabhängigen“ (1936), „Ein Bergsteigerleben“ (1945) und „Der Weg zur wahren Liebe und Ehe“ (1950). Mitte Januar 1993 erlitt Voegeli ganz unerwartet einen Schlaganfall mit nachfolgender Aphasie und Hemiplegie, von dem er sich nicht erholte. Er verstarb am 2. Februar 1993.

Miasmatik - die Veranlagung an bestimmten Krankheiten zu erkranken

Hahnemann verfolgte seine Erfolge und Misserfolge in der Praxis genau und analysierte auch seine Fehlschläge. Er stellte fest, dass es viele Fälle gab, in denen er durch die Verabreichung eines Mittels, welches die aktuellen Symptome abdeckte, oft Erfolgt hatte.

Er fand eine andere Gruppe von Patienten, in denen diese Methode nicht nachhaltig Wirkung zeigte. Dadurch sah er sich veranlasst, nach Ursachen für diese Misserfolge zu suchen. Zu diesem Zweck studierte er nicht nur die akuten Krankheitssymptome, sondern forschte in der Geschichte der Patienten nach früheren Erkrankungen. Er fand zwei Arten von Erkrankungen mit verschiedener Heilungstendenz: Akute Krankheiten und chronische Krankheiten.

Akute Krankheiten zeichnen sich dadurch aus, dass sie eine grosse Dynamik haben, sie kommen und gehen schnell. Sie zeichnen sich durch eine grosse Selbstheilungstendenz aus und verlaufen in 4 Stadien (Prodromal (Vorläufer), Anstieg, Maximum, Heilung). Sie entstehen häufig durch äussere Einflüsse (Kälte, Nässe, Ernährung usw.) und treten oft epidemisch auf. Viele sind auch ansteckend,

Chronisch Krankheiten weisen dagegen eine langsame Dynamik auf. Sie erscheinen meist langsam und haben keine Selbstheilungstendenz. Die Lebenskraft ist nicht von sich aus in der Lage, der Krankheit etwas entgegenzusetzen.

Bei den akuten Krankheiten war Hahnemann mit dem bisherigen Vorgehen häufig erfolgreich, bei den chronischen Krankheiten weniger. Er forschte weiter und stellte fest, dass es für die meisten chronischen Erkrankungen tiefergehende Ursachen gibt. Er nannte diese Ursachen Miasmen. Es handelt sich dabei um ererbte oder erworbene Grundkrankheiten. Anders ausgedrückt kann man auch sagen, ein Miasma ist die Veranlagung an bestimmten Krankheiten zu erkranken.

Seine therapeutische Konsequenz war, dass das heilende Mittel nicht nur die gegenwärtigen Symptome abdecken, sondern auch in Bezug auf das vorherrschende Miasma passen muss. Hahnemann unterschied damals drei Miasmen: Psora, Sykose und Syphilis. Er leitete diese Miasmen sinnbildlich von den drei Krankheitsbildern ab, die zu seiner Zeit häufig aufgetreten sind. Es sind dies

  • die Psora, von Psora = Krätze
  • die Sykosis, die als Grundkrankheitstendenz den Erscheinungen der unterdrückten oder übergangenen Gonorrhoe ähnelt
  • die Syphilis, die den Erscheinungen des unterdrückten oder übergangenen Schankers oder der Syphilis sehr ähnlich ist.

Die Miasmentheorie wurde später von Allen und anderen Homöopathen weiterentwickelt. Heute existieren unterschiedliche Miasmentheorien (vgl. z.B. hier). Manche erfahrene Homöopathen stellen den Nutzen der Miasmantheorie in Frage. Ich persönlich finde die unterschiedlichen Miasmentheorien sehr faszinierend. Ich habe verschiedene Miasmentheorien kennen gelernt und mich am intensivsten mit der Theorie nach nach Yves Laborde und Gerhard Risch auseinandergesetzt. Neben der Psora, der durch Ansteckung erworbenen und hereditären (d.h. vererbten) Sykose, der erworbenen und hereditären Syphilis unterscheiden diese Autoren zusätzlich noch die syphilitische Tuberkulinie, die sykotische Tuberkulinie sowie die Cancerinie in Anlehnung an die Krankheitsbilder der Tuberkulose und von Krebserkrankungen. Ich berücksichtige die Miasmatik bei der Fallanalyse insofern, als dass ich mir bei allen Patienten - so weit bekannt - die Erkrankungen der Vorfahren und natürlich die individuelle Krankheitsgeschichte ansehe und bezüglich Miasmatik analysiere. Meine bisherige Erfahrung ist, dass es Patienten gibt, bei denen diese Analyse direkt zum geeigneten homöopathischen Mittel führt. Dies ist aber eher selten der Fall. Häufiger lässt sich aus dieser Analyse nicht eindeutig ein homöopathisches Mittel ableiten. Auch die Bestimmung, welches der Miasmen gerade bei einem Patienten aktiv ist, lässt sich meiner Erfahrung nach nicht immer eindeutig sagen. Für das Krankheitsverständnis kann diese Analyse trotzdem sehr wertvoll sein.

Arzneimittelschatz

Unser Arzneimittelschatz umfasst heute rund 3000 Mittel. Diese werden aus folgenden natürlichen Stoffen gewonnen:

  • Pflanzen (z.B. Bergwohlverleih (Arnica), Wiesenküchenschelle (Pulsatilla pratensis), Blauer Sturmhut (Aconitum napellus)),
  • Tierischen Stoffen (z.B. Gift der Buschmeisterschlange (Lachesis), getrocknete Tinte des Tintenfisches Sepia officinalis),
  • Mineralien (z.B. Sulphur, Calcium carbonicum),
  • Krankem Gewebe oder Krankheitsabsonderungen, den sog. Nosoden (z.B. Tuberkelbazillen (Tuberkulinum)) und
  • Gesunden Ausscheidungen oder gesundem Gewebe, den sog. Sarkonden (z.B. Hundemilch (Lac fellinum), Muttermich (Lac humanum))

Leider sind nicht alle 3000 Mittel gleichermassen ausführlich geprüft. So finden sich in unseren Materia Medica Werken und Repertorien Arzneimittel, die sehr gut geprüft und ausführlich vertreten sind, andere wiederum sind wenig geprüft und deshalb kaum vertreten. Aber auch gerade diese sogenannten kleinen Mittel können im Einzelfall sehr wertvoll sein.

Potenzierung - Stufenweise Verdünnung, einhergehend mit Verschüttelung oder Verreibung

Zu Beginn seiner homöopathischen Tätigkeit verwendete Hahnemann die Arzneien noch in ihrem Urzustand, d.h. unverdünnt als Urtinktur. Er beobachtete, daß bei der homöopathischen Anwendung dieser Arzneien vor einer Heilung oft unangenehme Reaktionen auftraten, insbesondere bei Stoffen, die sehr giftig waren. Er trat dem zunächst damit entgegen, daß er die Arzneien verdünnte, wobei diese jedoch immer mehr an Wirksamkeit verloren. Er experimentierte jahrelang, um ein geeignetes Verfahren zu entwickeln, mit dem dieses Problem gelöst werden konnte. Die Ergebnisse dieser Forschung hat Hahnemann im Organon der Heilkunst in den §§ 270 ff festgehalten. Die Arzneien werden nach genauer Anleitung stufenweise verdünnt und zwischen jedem Verdünnungsschritt verrieben oder verschüttelt. Im Gegensatz zu dem weitverbreiteten Irrtum, es handle sich lediglich um eine Verdünnung, kommt der Verreibung bzw. dem Verschütteln eine große Bedeutung zu. Was dabei genau passiert ist bisher noch nicht bekannt (vgl. dazu auch Forschung). Sicher ist, dass es sich nicht um eine materielle Wirkung handeln kann, weil ab den Potenzen D24, C12 oder Q6 statistisch gesehen kein Molekül der Ausgangssubstanz mehr in der Lösung vorhanden ist. Die Annahme ist, dass es sich um eine Art Informationsübertragung handeln muss, d.h. durch dieses Verschütteln oder Verreiben wird die Information der Ausgangssubstanz z.B. Arnica auf die Trägersubstanz (z.B. Alkohol-Wasser-Gemisch oder Milchzucker in Form von Globuli oder Pulver) übertragen.

Hahnemann nannte dieses Verfahren Potenzierung, abgeleitet von dem lateinischen Begriff "Potenz" (Kraft, Fähigkeit, Leistungsvermögen). Er machte die erstaunliche Erfahrung, dass die mittels Potenzierung hergestellten Arzneimittel intensiver, tiefgreifender und sanfter wirkten als die Ursubstanzen. So konnte er beobachten, dass potenzierte Arzneien eine wesentlich stärkere Arzneikraft und somit eine ungleich höhere Wirksamkeit entfalteten. Zudem riefen diese Arzneien keine so starken Erstverschlimmerungen hervor wie die Ursubstanzen, weil sie besser individuell angepasst werden können. Hahnemann stellte fest, dass Heilungen sanfter verliefen, wenn eine kleinstmögliche Arzneimittelgabe gegeben wurde, was erst durch die Potenzierung möglich wurde. Eine grosse Gabe übt einen zu starken Einfluss auf die Lebenskraft und auf die ohnehin schon angegriffenen Teile des kranken Organismus aus (vgl. Organon §§275-277).

Zudem machte Hahnemann die Erfahrung, dass selbst Stoffe, die normalerweise keine große Arzneikraft besitzen, durch das Potenzieren zu arzneilich hochwirksamen Mitteln wurden. Beispiele dafür sind Kochsalz, verschiedene Metalle, Graphit, Kalk.

Es gibt in der Homöopathie heute drei verschiedene Verfahren zur Potenzierung mit je unterschiedlichen Verdünnungsschritten:

D (Dezimal) - Potenzen: Verdünnung 1:10

C (Centisimal) - Potenzen: Verdünnung 1:100

Q oder LM (Quinquagintamillesimal): Verdünnung 1:50.000

Hahnemann selbst arbeitete jahrelang mit C-Potenzen, erst in der 6. Ausgabe des Organon, die erst nach dem 1. Weltkrieg veröffentlicht werden konnte (vgl. S. Hahnemann) führte er die Q-Potenzen, die heute teilweise auch als LM-Potenzen bezeichnet werden, in die Homöopathie ein. D-Potenzen sind eine relativ späte Entwicklung des klinisch orientierten homöopathischen Arztes Dr. Vehsemeier, der dieses Verfahren angeblich ein Jahr nach dem Weggang von Hahnemann nach Paris in die Homöopathie einführte. Diese Potenzen wurden von eher medizinisch orientierten Behandlern sehr begrüsst. Sie werden heute meist als organotrope (d.h. organbezogene) oder krankheitsbezogene Arzneimittel einzeln oder noch öfter in Komplexmitteln eingesetzt.

Die Herstellung der homöopathischen Mittel erfolgt selbstverständlich nach strengen hygienischen Richtlinien. Je nach Hersteller erfolgt die Herstellung entweder nach dem homöopathischen Arzneimittelbuch (HAB) oder nach den Vorgaben des Organon (vgl. z.B. Information der Remedia Homöopathie).

Zur Herstellung der einzelnen Potenzen:

Bei den Dezimalpotenzen wird 1 Teil der Ausgangssubstanz (Urtinktur) mit 9 Teilen Alkohol vermischt und 10x stark geschüttelt = D1. Von der D1 wird erneut 1 Teil genommen und mit 99 Teilen Alkohol verschüttelt = D2 usw.

Bei den Centesimalpotenzen wird 1 Teil der Ausgangsubstanz (Urtinktur) mit 99 Teilen meist ca. 35-69%igem Alkohol 10x senkrecht zur Erde gegen einen elastischen Gegenstand geschlagen oder geschüttelt = C1. Von der C1 wird erneut 1 Teil genommen und mit 99 Teilen Alkohol verschüttelt = C2. Die meisten C-Potenzen sind heute bis zu einer Potenz von MM (C1’000'000) erhältlich.

Quintesimal-Potenzen werden ausgehend von einer mit Milchzucker verriebenen (oder flüssigen) C3 (1’000'000) hergestellt. Q1: 1 Gran (=0.062gr.) Milchzucker der verriebenen C3 wird in 500 Tropfen Ethanol 15% aufgelöst (1/500). 1 Tropfen dieser Lösung wird mit 100 Tropfen Ethanol 100x kräftig geschüttelt. Mit 2.5 ml dieser Lösung werden 100 gr. Globuli der Grösse 1 (ca. 50'000 Globuli) imprägniert (oder mit 1 Tropfen 500 Globuli) und an der Luft getrocknet. Q2: 1 Globulus der Q1 wird in 1 Tropfen Wasser gelöst, danach mit 100 Tropfen Ethanol 86% (2,5ml) verdünnt und 100x geschüttelt. Mit dieser Lösung werden wiederum 100 gr. Globuli imprägniert.

Hahnemann hatte ausgerechnet, dass 500 solcher Streukügelchen noch nicht völlig einen Tropfen zu ihrer Befeuchtung annehmen können. Somit ist das Verdünnungsverhältnis von Stufe zu Stufe annähernd 1:50'000 (Zunächst 1:100 mit Alkohol, und dann 1:500 bei den Kügelchen; 100 x 500 ergibt 50'000). Dabei erfolgt die Potenzierung über zwei völlig verschiedene Träger, zuerst mit Hilfe des Alkohols wie bei den C-Potenzen, danach mit Hilfe der Kügelchen.

Q-Potenzen sind in der Regel bis zur Q120 erhältlich. Sie werden gemäss Vorschrift ausschliesslich als Dilutation d.h. in flüssiger Form und nicht als Globuli verabreicht.

Q-Potenzen werden auch als LM-Potenzen bezeichnet, was zu Missverständnissen führen kann, da die C50’000 auch mit LM bezeichnet wird. Die Herstellung von LM-Potenzen unterscheidet sich aber tatsächlich etwas von der Herstellung von Q-Potenzen (vgl. z.B. Information der Remedia Homöopathie). Deshalb immer - wenn möglich - Q-Potenzen gegenüber den LM-Potenzen den Vorzug geben.

Hier noch einige Erläuterungen zu den Bezeichnungen: Wenn man von Tiefpotenzen spricht meint man in der Regel C/D1 bis ca. C/D6, mit mittlere Potenzen ca. C/D7 bis C/D23, mit Hochpotenzen ca. C/D 24 bis unendlich. Die Hochpotenzen werden häufig mit den lateinischen Kurzbezeichnungen abgekürzt. So bedeutet M = 1’000, XM = 10’000, LM = 50’000, CM = 100’000, MM = 1’000’000.

Zudem findet man bei den homöopathischen Arzneimitteln noch zwei weitere Abkürzungen: H für Hahnemann-Potenz und K für Korsakoff-Potenz. Hahnemann-Potenzen werden nach der ursprünglichen Methode von Hahnemann hergestellt. Nach dem Verschütteln wird ein Tropfen aus dem Glas entnommen und mit Alkohol in einem neuen Glas oder Fläschchen weiterpotenziert. Jeder neue Potenzschritt verlangt ein neues Glas. Dieses Vorgehen wird deshalb auch Mehrglasmethode genannt.

Bei den Korsakoff-Potenzen wird nach dem Verschütteln das Glas ausgelehrt und die an der Innenwand verbliebene Menge der Arzneisubstanz (in etwa ein Tropfen) wird als Grundlage für nächste Potenzstufe verwendet. Dieses Vorgehen wird auch als Einglasmethode bezeichnet. Die meisten Hersteller stellen ab der C30 nur noch K-Potenzen her.

Welche Potenzen sind die geeignetsten? Diese Frage lässt sich nicht allgemein beantworten. Es hängt einerseits mit den Beschwerden und der individuellen Reaktionslage der Patienten zusammen und andererseits mit den Vorlieben und Erfahrungen des Behandlers. Ich persönlich arbeite am liebsten mit C- und mit Q-Potenzen. D-Potenzen und C-Potenzen bis zur C30 halte ich für die Selbstbehandlung bei akuten Erkrankungen für sinnvoll.

Selbstbehandlung und Komplexmittel: Komplexmittel werden in der klassischen Homöopathie nicht eingesetzt. Similasan-Globuli sind beispielsweise Komplexmittel, d.h. sie enthalten verschiedene Mittel, die z.B. bei Zahnungsbeschwerden Anwendung finden. Der Vorteil ist, dass in der Selbstbehandlung die Wahrscheinlichkeit grösser ist, dass das Mittel dabei ist, das hilft. Der Nachteil ist, dass man nicht weiss welches es ist, und dass es durch die anderen Mittel oder die Interaktion zwischen den Mitteln zu Unterdrückungen kommen kann. Unterdrückung bedeutet, dass man zwar keine Symptome mehr hat, die Krankheit aber nicht wirklich geheilt ist, sondern auf einer tieferen Ebene weiter wirkt. Auch in der anthroposophischen Medizin werden hauptsächlich D-Potenzen und Komplexmittel eingesetzt. Die anthroposophischen Ärzte scheinen damit gute Erfahrungen zu machen. Ich persönlich bin nicht kategorisch gegen Komplexmittel, auch wenn ich sie selbst nicht anwenden würde. Ich bin der Meinung, solange sie tatsächlich helfen und den Heilungsprozess voran bringen, können sie angewendet werden. Der Heilungsprozess sollte jedoch genau beobachtet werden. Wenn die gleiche oder eine ähnliche Krankheit ohne offensichtliche Ursache immer wieder kommt, dann bedeutet dies mit grosser Wahrscheinlichkeit, dass die Komplexmittel nur oberflächlich wirken und eventuell unterdrücken. In solchen Fällen und bei schwerwiegenden Leiden wäre es deshalb besser, im Fall einer Selbstbehandlung einen Homöopathen/eine Homöopathin beizuziehen. Grundsätzlich empfehle ich aber auch für die Selbstbehandlung Einzelmittel. Die Anwendung davon bedingt aber eine vertiefte Auseinandersetzung mit der Materie.

Repertorien

Repertorien sind ebenfalls sehr wertvolle Arbeitsinstrumente in der Homöopathie. Repertorien sind Nachschlagewerke, die Symptomenlisten - auch Rubriken genannt - und die dazu gehörenden Arzneimittel enthalten. Ein Repertorium ist sozusagen eine Umkehrung der Materie Medica. Materia Medica Bände enthalten Arzneimittel und die dazugehörenden Symptome, Repertorien enthalten Symptomenlisten und die dazu gehörenden Arzneimittel.

Ein Beispiel: Ein Patient fühlt sich ausgesprochen unwohl, wenn er vor anderen Menschen eine Rede halten soll. Für diesen Umstand bietet sich folgende Rubrik an:

 

Gemüt - Schüchternheit, Zaghaftigkeit - Öffentlichkeit; beim Auftreten in der

aeth.mtf33,st AMBR.st anac.c1,mtf anthraq.rly4 Arg-met.stj1 arg-n.a1,mtf33,sne aur-m-n.wbt2 bamb-a.stb2.de bar-s.mtf,zr Carb-v.k,mtf33 chin.gl,mtf cocc.fyz,mtf cortico.mtf,sp,tpw7 cupr.mtf dys.dp GELS.k,kl2,mrr1,st graph.gk kali-p.fyz,mtf lach.mtf lachn.zzz Lyc.a1,mtf33 Med.mtf33,vh,vh/dg,vhx1 petr.mtf petr-ra.shn4 Ph-ac.a1 phos.gk plac.rzf5 PLB.k1,st SIL.k,mrr1,mtf33 staph.a1,mtf33 symph.fd3.de tax.zzz thuj.mtf33,zr Tritic-vg.fd5.de

 

Diese Rubrik enthält insgesamt 34 Arzneimittel, die in irgendeiner Form Beschwerden bei Auftritten in der Öffentlichkeit haben. Die Arzneimittel werden in der Regel abgekürzt. Gels. steht z.B. für Gelsenium sepervirens (Wilder Jasmin), Sil. für Silicea (Kieselerde). Die kleinen tiefgestellten Buchstaben sind Abkürzungen der Autoren. k steht z.B. für Kent, vh für Vithoulkas. Die unterschiedliche Schreibweise der Mittel gibt Auskunft über die Wertigkeit, chin ist in dieser Rubrik ein einwertiges Mittel, Lyc zweiwertig, SIL dreiwertig und GELS vierwertig. Aus diesen Rubriken lässt sich allerdings nicht erkennen, inwiefern in den Arzneimittelprüfungen der einzelnen Mittel Beschwerden bei öffentlichen Auftritten aufgetreten sind. Dies muss wiederum in der Materia Medica nachgelesen werden.

Auch bei den Repertorien gibt es verschiedene Werke in unterschiedlichem Umfang. Standardrepertorien sind beispielsweise das Repertorium nach Kent, das Synthesis von Dr.med. Schroyens, das Repertorium Universale von Roger van Zandvoort und weitere. Die tägliche Arbeit in der Praxis wird heute zudem durch umfangreiche Computerprogramme unterstützt, die je nach Programm verschiedene Repertorien und Materia Medica Werke enthalten. Beispiele sind das Programm Radar, ComRep, MacRepertory und weitere.